Blinde Spitzensportler am 11. Oktober 2011 zu Gast an der Bertha-Hirsch Schule

Im Rahmen des Projektes: Behindertensport macht Schule des Badischen Behindertensport- und Rehabilitationsvereins


„Wow Nico, alle fünf Schüsse getroffen!“ Begeistert springen mehrere Erstklässler der Bertha-Hirsch-Schule um ihren Klassenkameraden herum, der gerade „blind“, aber erfolgreich Biathlon-Schießübungen gemacht hat. In der Mitte der Turnhalle, heute zum „Schießstand“umfunktioniert, sitzt lächelnd Vivian Hösch, die deutsche Meisterin im Blinden-Biathlon von 2009 und Paralympics-Teilnehmerin 2010. Nicos Erfolg ist teilweise auch der Freiburgerin zu verdanken – die blinde Spitzensportlerin hatte dem Jungen bei einer gewissen Tonhöhe, die ein Infrarotgerät neben der Schießanlage erzeugt, im jeweils günstigsten Moment „Jetzt!“ zugerufen.


Vivian Höschs Gehör ist äußerst geschult: Bei ihren Wettkämpfen muss sie die fünf Schüsse in maximal 50 Sekunden abfeuern. Zu einem trainierten Gehör gehören beim Biathlon natürlich auch Reaktionsfähigkeit, Zielsicherheit und Profiniveau im Skisport. Dass Vivian Hösch diese ganzen Faktoren vereint, beweist die Goldmedaille von der deutschen Meisterschaft, die sie den faszinierten Schülern so nebenher in die Hand drückt, als sei es die Eintrittskarte fürs Schwimmbad. Vivian Hösch, die zur Zeit eine Ausbildung zur Verwaltungsangestellten bei der Stadt Freiburg absolviert, ist eigens für das Projekt „Behindertensport macht Schule“ angereist, das vom Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband organisiert wird. Seit 2010 läuft dieses Projekt mittlerweile und über mangelndes Interesse können sich die Verantwortlichen nicht beschweren: „Wir sind in diesem Schuljahr mit zehn Schulen schon komplett ausgebucht.

Das hört sich nicht so viel an, aber irgendwann müssen unsere Athleten ja auch trainieren“, so Holger Kimmig, Sportreferent des Verbandes und Mitverantwortlicher der Initiative, bei seinem Besuch in Käfertal. Das Konzept, den direkten Kontakt zwischen Behinderten und Nichtbehinderten herzustellen, um schon Kinder im Grundschulalter für Behinderungen zu sensibilisieren,ist bislang ein voller Erfolg. Gerade an der Bertha-Hirsch-Schule wird dieser Grundsatz schon lange gelebt, schließlich werden hier schon seit Jahren körperbehinderte Schüler der Martinsschule Ladenburg mit unterrichtet. „Deshalb war es uns wichtig, dass die Schüler ihre Erfahrungen in dieser Richtung intensivieren und Möglichkeiten sehen, wie auch Körperbehinderte erfolgreich Sport machen können,“ so Alexander Daub, der Leiter der Fachschaft Sport an der Bertha-Hirsch-Schule.
Auch Astrid Weidner ist extra aus Südbaden angereist, sie wird von Holger Kimmig als „eine der besten blinden Torballspielerinnen der Welt“ vorstellt. Sie führt die Kinder mit verbundenen Augen, in die Grundlagen des Torballspiels ein. „Der war gut, Aliya“, ruft sie, aber auch: „Das ging daneben, nächstes Mal schneller reagieren“. Eine weitere Gruppe von Kindern spaziert unterdessen, in „Blinde“ und „Begleitläufer“ eingeteilt, über den Schulhof. Natürlich haben die Grundschüler im Anschluss auch Fragen an ihre Gäste und zeigten sich dabei ganz beeindruckt von den Schilderungen der blinden Athleten. Neben den drei teilnehmenden Klassen besuchten aber auch immer wieder andere Kinder die Turnhalle und verfolgten aufmerksam das Geschehen. Am Schluss durften sich dann auch die Lehrer an der Biathlon-Schießanlage versuchen, aber ohne ein „Jetzt“ von Vivian Hösch schaffte es keiner, fünf Mal ins Schwarze zu treffen.
Unter großen Applaus der Schüler wurden die Gäste von Rektorin Christine-Spiegel-Dumont verabschiedet, die am Ende des Projekttages noch einmal zum Ausdruck brachte, was alle dachten: „Das war ein ganz besonderes Erlebnis.“

Text von Alexander Daub.

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